Was uns unheimlich wütend macht sind Menschen, die sich breit schlagen lassen Weihnachten, Ostern oder zum Geburtstag der Tochter oder des Sohnes einen Hund zu kaufen. Und das, obwohl die Eltern eigentlich wissen, dass sich das/die Kind/er nicht dauernd und meistens auch nur in der Zeit um den Hund kümmern, wenn das Tier neu, klein und süss ist, genau wie mit dem Meerschweinchen vom letzten Jahr. Wird das Tier größer, ist nicht richtig erzogen worden und hat schon so manchen Schuh zerstört und den guten Teppich ruiniert, weil der Welpe darauf gepinkelt hat.
Denn leider haben sich sowohl die Eltern, wie auch die Kinder, sofern sie alt genug sind, nicht richtig oder sogar überhaupt nicht informiert, was es heisst, einen Hund zu halten. Und schon wird im Sommerurlaub das Tier abgeschoben oder, sogar noch brutaler, irgendwo ausgesetzt.
Das Gleiche gilt, wenn ich sehe oder höre wie Zweibeiner sich einen Hund zulegen und diesen total falsch halten. Somit ist wieder ein Tier dermaßen versaut, dass es sich zu einem Beisser entwickelt. Und schon heißt es wieder, schau mal der große Hund dahinten, der ist bestimmt böse und beisst. Gerade in der jetztigen Zeit ist es enorm wichtig, Vorurteile gegen Hunde auszuräumen und das geht nur, wenn man einen gut erzogen Hund an der Leine hat, besonders bei einem solch großen Tier wie einem Landseer .

Daher möchten wir versuchen, mit den hier geschriebenen Zeilen den Menschen, die sich für einen Hund entschliessen oder auch denen, die einen haben (dabei muss es sich keineswegs um einen Landseer handeln) doch noch ein paar nützliche Tips zu geben, d.h., wir möchten Ihnen nicht die Lust an einem Hund verderben. Jedoch realistisch darstellen, was es bedeuten kann, einen Hund zu halten, denn auch uns war der volle Umfang der Hundehaltung nicht bewußt. Was nicht bedeutet, dass wir es bereuen, einen Hund in der Familie zu haben!

Wer sich mit dem Gedanken trägt, einen Hund anzuschaffen, egal welche Rasse, sollte dies gründlich überlegen. Denn jeder Hund braucht Zuwendung und Pflege. Beim Landseer kommt das lange dichte Fell mit der vielen Unterwolle hinzu. In der Zeit des Fellwechsel muss der Hund einmal am Tag gründlich durchgebürstet werden. In den Jahreszeiten Frühjahr, Herbst und Winter bringen sie eine ganze Menge Dreck mit in die Wohnung, wenn es draußen matschig ist. Wir gehen zwar her und sprühen Falko im Garten mit dem Schlauch ab, aber auch dann ist nicht alles rausgewaschen. Das wiederum bedeutet, dass der gerade gesaugte oder gewischte Boden aussieht, als ob tagelang nichts gemacht worden wäre. Hinzu kommen die Haare, die überall sind, so gut kann kein Mensch saubermachen und selbst wenn, die Haare sind nach kurzer Zeit wieder dort zu finden, wo man sie nicht haben möchte. Auch die Kleidung ist bei uns während des Fellwechsels meist haarig, obwohl diese frisch gewaschen ist.

Der Hund muss raus, egal bei welchem Wetter!!!!!!! Ob warm, eiskalt, ob in strömendem Regen oder Schneegstöber, ob man Lust hat oder nicht und auch wenn man krank ist. Er braucht Bewegung und damit sind nicht fünf Minuten um den Block gehen gemeint oder aber mit dem Auto auf die Wiese, den Hund rauslassen um sein Geschäft zu machen und wieder ab nach Hause. Der Garten in dem der Hund seinen Auslauf hat ist ja vorhanden. Der Garten kann 20 ar Fläche haben, der Hund hält sich nur an einigen Plätzen auf und das meist liegend, also mit viel Bewegung ist da nichts. Ein wenig anders ist es natürlich, wenn man mehrere Hunde hält. Die toben miteinander, allerdings haben die Hunde dadurch keine große Bewegung. Es sind nur ein paar Minuten und dann liegen sie wieder faul in der Ecke rum. Außerdem, wer steht schon auf Tellerminen im Garten.

Falko, bei unserer Fanny war es nicht anders, säuft und frisst sehr "raumgreifend". Also um den Futter- und Trinknapf, in den Räumen und auf dem Weg dorthin, wo wir uns gerade aufhalten sind Wasser und/oder Futterreste zu finden, die Falko in seinem Fang und Brustfell "mitnimmt". Was schon zu Beinahestürzen geführt hat, weil wir auf den Wasserlachen ausgerutscht sind.

Das Futter sollte sorgfälltig gewählt werden, kein Futter, gerade im Welpenalter, mit hohen Protein- und Kalorienwerten (Proteingehalt unter 22%). Denn es würde zu einem zu schnellen Wachstum führen und somit zu Wachstumsdefiziten, was besonders bei großen Rassen verheerende Folgen haben kann. Achten Sie ferner darauf, dass kein Soja im Futter verarbeitet worden ist, dies ist leider nicht immer angegeben. Es gibt immer mehr Hunde, die auf Soja allergisch reagieren. Gute Erfahrungen zur Vorbeugung von HD hat eine Beimengung von knorpelschützenden Präparaten, wie Lupo-san oder Canosan, ergeben.

Zu dem Thema vieleicht eine "kleine Geschichte", die wir mit unserer Fanny erlebt haben:

Als wir zu unserer Maus kamen, haben wir uns immer wieder gewundert, dass sie sehr oft den Kopf geschüttelt hat. Beim Reinigen der Ohren war viel dunkler Schmalz zu finden und es roch streng, wir haben uns jedoch nichts dabei gedacht. Erst als sie beim Kratzen an dem betreffenden Ohr jaulte sind wir zum Tierarzt gegangen. Diagnose: Otitis (Gehörgangsentzündung), Behandlung: Antibiotika und Reinigungsflüssigkeit zum Einträufeln in den Gehörgang, damit der Schmalz aus dem Gehörgang rauskommt.
Nach der Antibiotikakur hatten wir sage und schreibe eine Woche Ruhe, dann fing das Kopfschütteln wieder an und wir sind erneut zum Tierarzt gefahren. Diesmal hieß es Tupferprobe, denn es könnte sich auch um einen Pilz oder eine bakterielle Geschichte handeln.
Dieser Tupfer sah ähnlich aus wie ein Q-Tip, mit nur einem Wattebobbel und locker vier bis fünf mal größer, weil der Gehöhrgang eines Hundes ja wesentlich länger ist als der eines Menschen. Bei der Probenahme hat Fanny so geschriehen, dass ich am liebsten mit geschriehen hätte.
Die Tupferprobe ergab, dass Fanny weder einen Pilz noch eine bakteriell hervorgerufene Otitis hatte, trotzdem gab es weiter Antibiotika.
Fanny hatte auch immer wieder mit Durchfall und Erbrechen zu kämpfen, von uns wurde sie dann auf Reis gesetzt. Nach und nach wurde dann Hühnchen mit Reis und schließlich langsam ihr normales Futter gefüttert.

Wir zogen dann ins Schwabenländle, samt Fanny und Otitis. Auch hier wieder die Diagnose Otitis, Antibiotika, Tupferprobe, mit dem gleiche Ergebnis und wieder Antibiotika.
Bis eine Nachbarin uns mitnahm um Nachschub für Fannys Leckerchenkiste zu holen. Nur, und das war unserer aller Glück, wurde dort nicht nur Futter verkauft, sondern die Inhaberin praktizierte auch als Tierheilpraktikerin.
Wir kamen in das Geschäft und sie sah Fanny aus gut 2m Entfernung. Der Kommentar: "Hat ihr Hund Probleme mit den Ohren und dem Magen-Darm-Trakt?". Mir entglitt natürlich erstmal alles, so das ich nur noch zu einem "Ist-das-so-offensichtlich?" nicken fähig war.
"Sie füttern bestimmt Pedi..., Cha... oder Fro...!", was mich wiederum zu einem "Was-sind-wir-doch-für-schlechte-Halter"-Nicken veranlasst hat.
Das Einzige, riet mir dann die Heilpraktikerin, sei eine Futterumstellung, denn Fanny würde an einer Stoffwechselstörung leiden, dadurch vertrage sie keine Antioxidantien. Sie empfahl uns ein schwedisches Futter, da dort kein Soja, Tiermehl, etc. und wohl auch keine Antioxidantien verwendet werden dürfen. Und siehe da, nach einer Woche war die Otitis ohne Gabe von Antibiotika weg und blieb es auch.

Dann möchte der Hund natürlich auch Zuneigung haben und ein Landseer kann sich die holen, was einige Kratzer und Narben bei uns zeigen. Bitte nicht falsch verstehen, Fanny war nicht brutal, aber ihrer Kraft war sie überhaupt nicht bewusst und das Gleiche gilt bei Falko. Bei Welpen und Junghunden kommt natürlich hinzu, dass sie beschäftigt werden möchten, also spielen und ich kann ihnen sagen, dass kostet eine Menge Energie :-)) und Zeit.

Die Hundeerziehung braucht viel Zeit. Natürlich gehen die Meinungen bei dem Thema sehr weit auseinander, wir sind der Meinung, dass ein Hund gerade bei dieser Größe gut und konsequent erzogen werden sollte. Wobei wir aus unserer Erfahrung heraus sagen müssen, dass wir uns eher erziehen müssen, dem Hund genaue und richtige Befehle zu geben und die dazugehörige Köperhaltung aufzuweisen, denn nur dann weiß der Hund auch, was man von ihm will. Daher ist das Wort Hundeschule nicht ganz so das richtige; Halterschule wäre wohl eher zutreffend. 1-2 mal die Woche sollte man zum Hundeplatz gehen, aber damit ist es ja nicht getan, denn das Erlernte muss ja auch geübt werden, also beim Spazierengehen!
In der Familie muss genauso gehandelt werden, Oma und Opa müssen ganz klar wissen, egal wie süss der Hund guckt, vom Tisch gibt es nichts!! Und es darf auch nichts versehentlich aus den Fingern fallen. Das, was man dem Hund einmal erlaubt, darf er immer und umgekehrt.

Und nun zum lieben Geld: Hundesteuer, Haftpflichtversicherung, Futter und Tierarzt. Im Normalfall kostet der Tierarzt so ungefähr 200 Euro im Jahr. Jedoch kann schnell mal was passieren, der Hund kommt in eine Rauferei und muss genäht werden oder aber vertritt sich beim Toben oder, oder, oder. So entstehen schnell mal Tierarztkosten, die enorm sein können. Bei unserer Fanny mit ihrer erst sehr spät erkannten Lungenkrebserkrankung waren wir mit der Einäscherung ihrer Leiche gut 3.500 Euro in 3 Monaten los. Natürlich ist das nicht die Regel, aber man sollte sowas nicht außer Acht lassen und dementsprechend vorbauen, denn wer kann mal eben nebenher diese Summen aufbringen?

Wenn Sie immer noch meinen, mit all dem kann ich leben und das ist mir mein Begleiter wert, dann stellt sich die Frage woher nehmen? Sollten Sie sich für einen Landseer entschieden haben, kann man über den VLD (Verein von Landseerfreunden und -züchtern e.V.) eine Züchterliste bekommen.
Schauen Sie sich bitte den Züchter ihrer Wahl genau an. Wie werden die Hunde dort gehalten, wie sehen die Hunde aus, ist das Fell weich und glänzend, sehen die Muttertiere gesund und gut genährt aus?
Werden mehrere Rassen gleichzeitig gezüchtet, würden wir dort niemals einen Hund kaufen, denn in den seltensten Fällen sind diese Züchter verantwortungsbewusst. Dort geht es meistens nur ums Geld.