Am 21. März 2003 haben wir unseren Falko am Knie des linken Hinterlaufs operieren lassen. Seine Krankengeschichte möchten wir hier "erzählen", weil wir glauben, dass es auch anderen Hundebesitzern ähnlich ergeht und so vielleicht Tips gegeben werden können.
Schon kurz nachdem Falko zu uns kam humpelte er leicht, humpeln nach dem Aufstehen und sich dann einlaufen. Da er aber auch noch gewachsen ist, erst hinten und dann vorne, haben wir dies auf das Wachstum geschoben. Wobei es bis zum Januar 2003 nicht besonders aufgefallen ist.
Gegen Ende 2002 haben wir Falko auf HD, ED, OCD röntgen lassen. Nur die linke Hüfte zeigte leichte Abweichungen, so dass der Gutachter die Hüfte mit "B1 Grenzfall" bewertet hat. Alles andere war ohne Befund.
Vor dem Röntgen haben wir unseren Tierarzt darauf aufmerksam gemacht, dass er lahmt und der Tierarzt schaute sich seinen Gang an und meinte, dass er vielleicht HD habe. Das Bild bestätigte seine Vermutung glücklicherweise nicht. Vielleicht doch das Wachstum? Jedenfalls wollte der Tierarzt sich Falko deswegen ein halbes Jahr später nochmals anschauen. Es kam anderes als erwartet.
Der Februar kam, es war knackig kalt draußen, genau das Wetter was unser Hund liebt und zum rumtoben doch sssoooo ideal für ihn ist. Er tobte gerade mit Nanuk, dem Huskyrüden aus der Nachbarschaft, als er sich auf einer großen zugefrorenen Pfütze im Feld lang machte. Er stand wieder auf und es ging weiter. Ungefähr 3-4 Tage danach lahmte er stärker und als es sich nicht besserte, ist Frank mit ihm zur Tierklinik gefahren. Die untersuchende TÄ meinte, dass es durch den Stürz kommen könne, evtl. Muskelfaserriss o.ä. und er sollte eine Woche lang nicht toben und auch weniger belastet werden. Dazu verschrieb sie Falko Rimadyl.
Nach der Woche zeigte sich keine nennenswerte Besserung. Nach einer weiteren Untersuchung wurde ein Röntgenbild vom Rücken gemacht. Es wurde der Verdacht Cauda-Equina-Syndrom in den Raum gestellt und eine sogenannte Spinaltherapie, d. h. einige Spritzen mit einem Gemisch aus Lokalanästetikum und Cortison in den "auffälligen" Bereich des Rückens gesetzt und wir sollten weiter Rimadyl geben. Sollte sich keine Besserung einstellen, sollten wir nochmal kommen.
Nach Gesprächen mit unserer Freundin Marianne und deren Kenntnis von Hunden und auch Erkrankungen sowie ihrer Freude an der Internetrecherche, schickte sie mir einen Link zu, der uns aus allen Wolken fielen ließ. Cauda-Equina-Syndrom, eine athrotische Verängung des Spinalraums, wodurch Druck auf das Rückenmark ausgeübt wird. Dadurch können im Verlauf der Erkrankung Ausfallerscheinungen der Hinterläufe, der Rute, sowie ein Kontrollverlust über Blase und Darm entstehen.
Ich konnte und wollte mich damit nicht abfinden. Und die Warterei machte mich nur noch nervöser.
Also glühte der Draht zu Marianne und der Entschluß, uns weitere Meinungen einzuholen, wuchs. Als erstes telefonierte ich mit einem orthopädischen Tierarzt, welcher meinte das es beinahe ausgeschlossen sei, dass sich dieser Verdacht erhärten würde und er eher auf einen Meniskusschaden tippe. Wir sollten doch einen orthopädischen Tierazt hier in der Nähe aufsuchen und wieder kam uns Marainne mit Telefonnumern zu Hilfe.
Schließlich holten wir uns das Röntgenbild und führen nach Reutlingen. Auch hier wurde der Verdacht Cauda Equina nicht bestätigt, sondern Menikusschaden vermutet und das der Hund sehr wahrscheinlich operiert werden müsse.
Nun sagten wir uns, wohin zur OP? Nach Reutlingen? Wenn wir jetzt den Tierarzt wechseln gehen wir nie wieder zurück. Und jedesmal nach Reutlingen fahren, ob das so sinnvoll ist? Also dachten wir uns, in der Tierklinik, in der wir bisher waren, ist der Leiter ja auch ein othopädischer TA, also lassen wir Falko doch mal von dem untersuchen.
Gesagt, getan. Der TA nahm sich viel Zeit und schaute sich den Rücken an, den Lauf, das Knie. Auf dem Röntgenbild könne man was sehen, aber ob das wirklich Cauda Equina sei, sei nur zu vermuten. Um den Verdacht zu erhärten oder auszuschließen müsse man eine Kontrastmitteluntersuchung des Spinalraumes machen. Was aber nur in Vollnakose ginge. Außerdem müsse er schon ordentlich auf den Lendenbereich Druck ausüben, damit sich Falko setzen würde. Zudem seien die Reflexe alle in Ordnung und nach der Frage ob er auch ins Auto oder auch so beim Gassigehen springen würde und wir dies eindeutig mit Ja beantworten konnten, wurde der Verdacht noch weniger erhärten.
Wenn er jedoch das Knie abtaste und dabei versuche, die Patellasehne zu ertasten, müsse er sich schon sehr anstrengen. Dies bedeute, dass Falko vermehrte Gelenksflüssigkeit im Knie habe und das wiederum bedeute, dass sich da eine ordentliche Entzündung eingenistet habe. Und das könne mehrere Gründe haben:
Nach weiteren Untersuchungen am Knie äußerte der TA seinen Verdacht auf OCD! Was sich für uns unwahrscheinlich anhörte, weil der Hund ja geröngt war. Der TA meinte, so richtig könne man OCD nur ausschließen, wenn man auch eine Draufsicht des Knies röntgen würde.
Nachdem Besuch waren wir nun total verunsichert. Wir machten zwar einen OP-Termin aus, entschlossen uns aber kurzfristig noch nach Pforzheim zu einem TA zu fahren. Der schloss auch sofort Cauda Equina aus und verdächtigte sogar das Kreuzband, denn Falko steht sehr steil auf den Hinterhand, d.h. das Sprungglenk ist nicht gut gewinkelt, wodurch eben das Kreuzband trotz Anriss schlechter durchreißen könne. Zudem sei eine deutliche Atrophie der Oberschenkelmuskeln des betroffenen Laufes zu spüren. Nach seiner Meinung kämen wir um eine OP nicht herum.
Der OP-Termin war ja eh schon ausgemacht, also lassen wir mal richtig schauen, dachten wir uns. Das läßt sich jetzt zwar so locker schreiben, aber glauben Sie uns, die Entscheidung fiel uns wirklich nicht leicht. Jedoch hat uns der letzte TA ganz sicher seinen Verdacht geäußert, dass er auch der Meinung sei, Falko nur durch eine OP Linderung zu verschaffen wäre. Außerdem ist dieser TA dafür bekannt, nicht bei der kleinsten Sache direkt zum Messer zu greifen.
Vielleicht fragen Sie sich, warum schreibt die jetzt einen halben Roman? Weil ich einfach zeigen möchte, dass wir auch bei unseren Tieren nicht sofort jede Diagnose annehmen müssen, die uns ein TA stellt, auch wenn Falko nur durch eine OP geholfen werden konnte. Schließlich gehen wir ja auch eine weitere Meinung einholen, wenn die Diagnose schlimmer ausfällt. Oder würden Sie sich bei dem Verdacht auf Krebs sofort operieren lassen, vor allem wenn Ihnen die Diagnose unwahrscheinlich vorkommt?
Falko wurde also operiert. Ich fuhr nach der Arbeit gleich wieder in die Tierklinik, um bei unserem Hund zu sein, wenn er aus der Narkose aufwacht. Falko kam aus der Krankenstation auf mich zu gewackelt, denn er war noch nicht ganz wach und hatte den Hinterlauf von der Pfote bis zur Hüfte einbandagiert. Und außerdem war er bis über die Hüfte nackt!
Der TA teilte mir mit, dass er keine OCD (wie erwartet), keinen Meniskusschaden und auch keinen Kreuzbandanriß gefunden habe, sondern eine Knorpelabsplitterung, pfenniggroß, an der Kniescheibe. Er hätte zwar keine Splitter mehr finden können aber das Gelenk trotzdem ordentlich gespült, um, was immer die Gelenksentzünung hervorgerufen habe, herauszuspülen. Nun habe er durch die lange Entzündung eine leichte Arthrose im Knie und das sei das nächste Angriffziel für eine Therapie.
Zu Hause schleifte er dann mit seinem Bein durch die Gegend und wusste nicht, wie er sich legen oder damit aufstehen sollte. Das änderte sich aber von Tag zu Tag und bald lief er damit supergut.
Wir schmierten alle Stellen, die aus dem Verband herausragten schön mit Vaseline ein, damit sich die Haut nicht aufscheuerte. Nach 7 Tagen stellten wir aber fest, dass er ausgerechnet den Hodensack wundgescheuert und entzündet hatte und bekamen vom TA eine Salbe. Da wir aber gerade eh da waren und der Verband gut rutschte, wurde dieser abgenommen und ich fragte, ob er denn nicht abbleiben könne, damit es besser abheile
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Alles in allem war der TA bisher mit dem Endergbnis sehr zufrieden. Nur das er bei der ersten kalten Witterung meinte wieder humpeln zu müssen, fanden wir nicht gut. Heute bekommt er dagegen Weihrauch, da dies die Entzündung durch Arthrose sozusagen hemmt. Dies belegen einige klinische Untersuchungen in der Humanmedizin. Dazu werde ich noch etwas in Krankheiten/Bewegungsapparat schreiben